Ob auch ihr Vater die Lehrerin nervt? Foto: Andreas Altwein/dpa

Von Integration und unnötiger Hysterie

Welches Glück müssen wir jahrzehntelang gehabt haben, dass wir in Frieden und relativ sicher in Deutschland leben konnten – mit all den Türken, die das Land bevölkern. Erst jetzt, nachdem 63 Prozent für Erdoğans Präsidialsystem gestimmt haben, tritt zutage, welches Problem Deutschland mit seinen Migranten aus Anatolien hat.

Oberflächlich seien sie ganz gut integriert, hätten einen Job, schickten ihre Kinder in die Schule. Aber wie düster es doch wird, wenn man einen Schritt näher tritt und einen Blick in das Innenleben dieser problembehafteten Minderheit wirft. Der Publizist Hugo Müller-Vogg beschrieb am Sonntag im „Presseclub“ der ARD sehr schön, wie in seinen Augen das Leben eines Türken in Deutschland aussieht:

Das Doppelleben des Türken

Der Türke ist als Vorarbeiter (was auch sonst?) bei seinen Kollegen in der Fabrik durchaus beliebt. Warum er das ist, darauf geht Müller-Vogg nicht ein. Vielleicht bringt er türkisches Gebäck mit, das seine kopftuchtragende Frau, die außer Backen und Kochen keine Funktion hat, jeden Tag für ihn zubereitet. Diese Existenz ist aber nur so etwas wie ein Alibi-Leben. Er ist bei seinen Kollegen beliebt, doch dann geht er nach Hause, oder noch viel schlimmer: in die Moschee. In der Moschee lässt er sich von einem aus der Türkei gesandten Imam eine Gehirnwäsche verpassen, sodass er nach jedem Freitagsgebet mit neuem Groll und Hass gegenüber Deutschland und der Demokratie als solcher nach Hause geht. Mehr gibt es zu diesem Mann auch nicht zu sagen. Ach doch, er hat ein Hobby: Ab und zu geht er noch in die Schule seines Sohnes, um seiner Lehrerin klar zu machen, dass sie als Frau seinem Sohn überhaupt nichts zu sagen hat. Dass Frauen Menschen zweiter Klasse sind, hat er wahrscheinlich auch in der Moschee gelernt, vielleicht sogar in genau der Moschee – so hilft uns Müller-Vogg die Zusammenhänge klar zu sehen –, in die auch der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz ein und aus ging. Fazit: Der Türke, die tickende Zeitbombe.

Ich glaube, es gibt kaum ein Thema, bei dem so viel mit Unwissen und haarsträubenden Stereotypen hantiert wird wie bei der Integration. Wie kommt es, dass ich, die ich in einer türkischen Familie, mit türkischen Nachbarn und Bekannten aufgewachsen bin, nie, wirklich, wirklich nie davon gehört habe, dass irgendein Vater zu einer Lehrerin gegangen ist, um sie aufgrund ihres Geschlechts niederzumachen? Ganz bestimmt gibt es solche Männer. Und jeder Einzelne ist schlimm genug. Aber sind sie der Regelfall? Nein, das sind sie nicht.

Der falsche Fokus

Ich kann mich daran erinnern, dass sich viele türkische Mütter und Väter von Lehrern eher unterbuttern ließen, weil sie sie als Obrigkeit sahen und ihnen das Selbstbewusstsein fehlte, um für ihre Kinder und Interessen einzustehen. Oft habe ich als Schülerin Eltern von Nachbarskindern zu Elternsprechtagen begleitet. Mangelnde Sprachkenntnisse und eine Scheu gegenüber Beamten führten eher zu einem eklatanten Ungleichgewicht zugunsten der Lehrer. Das hat sich mittlerweile geändert – zum Glück! Wenn es einzelne Debile gibt, die einer Frau ihre Lehrkompetenz abstreiten, oder die ihre Tochter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen lassen, dann ist das kein Türken-Problem, das ist ein Idioten-Problem. Punkt. Vielleicht ist bei denen tatsächlich die Integration gescheitert. Aber dann müsste man seine Energie vor allem darauf verwenden, den Kindern solcher Menschen ihre gesellschaftliche Teilhabe so weit es geht doch zu ermöglichen. Denn sie sind es, um die es uns gehen muss.

Lasst uns wieder hysterisch sein

Warum aber führen wir nun schon wieder diese Debatten? Wegen des Wahlverhaltens der Deutsch-Türken beim Referendum natürlich. Aber dass 416.000 Menschen mit einer an Schwachsinn grenzenden Feierlichkeit die Gewaltenteilung in der Türkei aushöhlen, ist noch kein Grund, alle 3,5 Millionen Deutsch-Türken jetzt auf den Seziertisch zu legen und mal aufzuzählen, was mit denen nicht stimmt. Das zu tun ist unanständig und anmaßend. Statt jetzt wieder hysterisch „Integration! Integration!“ zu rufen, sollte man sich erst bewusst machen, dass Unwissenheit und Idiotie keine Nationalität haben. Und dann vielleicht etwas am Bildungssystem ändern.

Ob man sich eher links oder rechts oder diagonal einordnet, bleibt jedem selbst überlassen. Dass die Demokratie aber ein Wert für sich ist, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit nicht zur Disposition stehen, muss unser kleinster gemeinsamer Nenner sein. Die Vermittlung dieser Werte darf nicht nur den Familien überlassen werden. Denn daran scheitern ganz offensichtlich viele Familien – neben türkischen auch deutsche. Politische Bildung muss bereits in der Grundschule stattfinden.

Und natürlich müssen wir über Integration reden. Uns fragen, warum die Türken in den USA mehrheitlich gegen das Präsidialsystem gestimmt haben. Könnte das etwa bedeuten, dass auch der Staat seinen Anteil an der Integration hat? Könnte es sein, dass wir aufhören müssen, den Türken als ein willenloses Opfer der Geschicke Dritter zu sehen? Vielleicht sollten wir anfangen, ihn als das zu sehen, was er ist: ein Mensch. Und von denen gibt es bekanntermaßen angenehmere Zeitgenossen wie auch unangenehmere.

Ob auch ihr Vater die Lehrerin nervt? Foto: Andreas Altwein/dpa

Ob auch ihr Vater die Lehrerin nervt? Foto: Andreas Altwein/dpa

 

 

6 Gedanken zu „Von Integration und unnötiger Hysterie

  1. Heiko

    Die Türken sind fast alle Menschen moslimischer Kultur. Und darauf sind die Türken sehr stolz. Die Türken sind überhaupt ein stolzes Volk. Und das ist gut so, weil wenn man sein eigenes Volk mag, dann setzt man sich auch dafür ein und will für sein Volk nur Gutes tun. Nun gibt es aber in Deutschland nicht wenige, welche zur Nation, zum deutschen Volk und zur deutschen Kultur eine sehr spektische Haltung einnehmen. Also genau das Gegenteil zur den Türken. Warum machen so manche Deutsche, die meist aus dem linken Spektrum kommen, das? Weil sie sich auf den 2. Weltkrieg und das dort geschehene berufen. Ihre Theorie lautet: Wir haben damals schlimmes getan und damit sich das nicht wiederholt müssen wir Deutschen uns kleinhalten.

    Auf eine Privatperson bezogen würde das heißen: „Eh, Du hattest früher andere Mitschüler verprügelt und mußt jetzt den Rest Deinen Lebens als geduckter Mensch unterwürfig durch´s Leben gehen.“
    Ob das für diese Privatperson wirklich so gut wäre? Wohl kaum.
    Warum dann für unser Land?

    Alle Extremas sind schlecht. Aggressionen gegen andere Länder sind schlecht. Aber auch Aggressionen gegen das eigene Volk sind schlecht. Aggressiver Nationalismus und nationale Unterwürfigkeit sind beide schlecht. Aber die deutschen Linken verstehen das nicht. Sie wollen nicht verstehen das ein aggressiver Nationalsimus gerade deshalb entstehen kann (und wird) weil die Leute von der überzogenen Unterwürfigkeit die Nase voll haben. So wie nach dem 1. Weltkrieg. Gerade diese überzogene Knechtung Deutschlands brachte die deutsche Rechte zur Weisglut und legte den Grundstein für den Nationalsozialismus. Eine respektvolle Behandlung des Kriegsverlieres Deutschland hätte den Radikalen den Nährboden entzogen – die NS-Bewegung hätte wahrscheinlich nie an Bedeutung gewonnen. Ein ausgewogener Nationalstolz wäre mit Sicherheit damals und heute sehr angemessen gewesen und hätten radikalen Kräften den Wind aus den Segeln genommen.

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  2. Heiko

    Kommen wir zur Integration. Das wird von der politischen Klasse Deutschlands sehr gerne gehört, das ist momentan total „in“.
    Was die politische Klasse aber nicht sehen will ist, das hier Kulturen aufeinanderprallen, die verschiedener gar nicht sein können. Der kulturelle Spagat zwischen dem Islam und der deutschen Kultur ist sehr, sehr groß und in den meisten Fällen zerren sich die Betroffenen dabei die Sehen und Bänder ihrer Beine. Und das tut weh.
    Das will aber keiner hören. Seit der Wende werden die Deutschen mit dem Wort Ausländerfeindlichkeit konfrontiert und das hat schlecht zu sein. Fremde Kulturen hat man also toll zu finden, etwas anderes will die politische Klasse nicht hören. In der DDR war das so ähnlich, nur mußten die Menschen dort den Sozialismus toll finden und wer da nicht mitmachten bekam Ärger oder wurde gar von dem MfS verhaftet. Widerspruch wurde in der DDR nicht geduldet. Wie ist es heute bei uns? Also verhaftet wird man, wenn man Ausländer nicht mag, garantiert nicht. Aber man wird geächtet. Die ARD Moderatorin Eva Herrmann bekam das zu spüren, auch der SPD-Politiker Thilo Sarrazin, später auch die AfD und PEGIDA. Dies bekommt jeder zu spüren, der Rechts von der Mitte agitiert.

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  3. Heiko

    Alles, was für Europa, den Euro, für Flüchtlinge und all diese Dinge ist, hat in Deutschland freie Fahrt. Aber wer gegen Euro, wer skeptisch gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen ist, der bekommt sehr schnell Gegenwind zu spüren. In dieser Hinsicht ist Deutschland sehr s/w-lastig. Bist Du dafür, ist alles in Ordnung. BIst Du dagegen, bist Du ein Rassist oder ein Populist oder ein Rechtspopulist. Früher bezeichnete man Andersdenkende als die Opposition. Heute bezeichnet man Andersdenkende als Populisten und so weiter. Ob das wohl gut ist? Mit Sicherheit nicht.
    Gerade der Pluralsimus, der Gegensatz der Meinungen, lebendige Diskussionen, das machte doch den Westen gegenüber dem Ostblock so interessant. Gerade das ist für eine offene Gesellschaft. Und die Diskussion der Gegensätze macht eine Demokratie gerade zur echten Demokratie. Aber das gesamt rechte Spektrum wird in Deutschland tabuisiert und als pauschal schlecht angesehen. Es wird kein Unterschied gemacht, ob es sich um den harten Kern der Neonazis-Szene handelt oder um besorgte Bürger. Und das ist wirklich schlimm. Und das Schlimmeste kommt noch: Die Medien machen da voll mit.
    Wie soll sich eine Demokratie entwickeln wenn ein komplettes Spektrum als schlecht angesehen wird? Wenn Rechts pauschal schlecht sein soll, dann bleibt ja nur noch links übrig. Da hätten wir die DDR auch weiter existieren lassen können!

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  4. heiko

    Wir brauchen eine Demokratie, wo rechte und linke Meinungen völlig gleichberechtigt sind. Wo jeder zu seiner Veranstaltung gegen kann, ohne das er massiven Polizeischutz benötigt, weil linksradikale Horden ihn bedrängen, belästigen oder gar körperlich bedrohnen – und das noch mit Billigung der politischen Klasse!!!
    Wir brauchen eine Diskussionskultur, wo jeder SELBER entscheiden kann was er von fremden Kulturen, von Europa, von Flüchtlingen und so weiter hält. Jeder sollte selber entscheiden ob er diese Dinge mag oder auch nicht mag oder ein Teil mag und ein Teil wieder nicht. Und das Wichtigste ist: Jede Entscheidnung ist in Ordnung. Mag der jenige fremde Kulturen, so ist es gut und mag er diese nicht – so ist es auch gut.
    Das hat Ergebnisoffen zu sein und auch das Recht der Ablehnung fremder Kulturen ist völlig in Ordnung.
    Aber genau davor hat die politische Klasse Angst, eben weil man weiß das viele Menschen zu diesen Reizthemen eine kritische Meinung haben. Man hat einfach Angst das deren Anzahl zu groß wird und das sich zu viele Menschen in einer offenen Diskussionskultur gegen Multikulti und gegen Europa entscheiden. Also legt man den Deckel drauf und bombadiert die Bevölkerung mit der Ideologie das alles Rechte schlecht zu sein hat, das Ausländerfeindlichkeit schlecht zu sein hat und das alle Menschen, welche Rechts von der Mitte sind böse Populisten zu sein haben.
    Dann behauptet man noch das man für „Toleranz und Weltoffenheit“ ist und klebt das Edikett Demokratie drauf und fertig ist das Lügenpacket.

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  5. heiko

    Linke brauchen bei ihren Demos und Veranstaltungen nie Polizeischutz. Aber sobald Rechte eine Demo oder eine Veranstaltung machen, kommen die Linken angerannt und organsieren „Gegendemonstrationen“ welche eigentlich nur die Trerrorisierung der Rechten bezweckt. Ohne Polizeischutz würde es diese rechte Veranstaltung entweder gar nicht geben, oder es würde zu einer Massenschlägerei kommen, welche aber jedesmal von Linksradikalen angezettelt würden – zumindest laut Erfahrungen der letzten Jahre.
    Wie kann das nur sein? Die Rechten werden seit Jahrzehnten als die Bösen dargestellt, aber komischerweise braucht kein Parteitag der Linken, der Grünen, der SPD oder der CDU Polizeischutz. Da kommt kein Rechter an und stört! Aber bei der AfD und PEGIDA kommen Linken in Massen angerannt und versuchen zu stören, zu blockieren zu randalieren und so weiter. Es zeigt sich doch klar, das die Linken das Aggrressionspotential haben und nicht die rechten Kräfte. Selbst NPD-Veranstaltungen, also wo keine Rechten sondern Rechtsradikale zu finden sind, treten diese Rechtsextremen nicht gewalttätig gegen die linksextremen Störer an – auch hier ist massiver Polizeischutz für die rechtsextreme NPD nötig. Wenn die Rechtsradikalen so böse und aggressiv sind, wieso sieht man bei deren Veranstaltungen immer nur Aggressionen von Seiten der Linksradikalen. Auch ich lehne sie Ideologie der NPD ab, keine Frage. Aber es erscheint seltsam das die Störungen und Feindseeligeiten immer nur von linksextremen Kräften ausgehen und nicht von den rechtsextremen. Die zahlenmäßige Unterlegenheit der Rechtsradikalen kann nicht die alleinige Ursache sein, hiert spielen noch andere Ursachen eine Rolle. Welche, sind mir auch nicht klar.
    Es geht mir in meinen Kommentaren darum, Mißstände und massive Ungleichgewichtige in unserem Land anzusprechen und zum Nachdenken anzuregen.
    Ich behaupte keinesfalls im Recht zu sein, aber die hier geschilderten Meinungen sind momentan meine Beobachtungen und meine Wahrnehmungen.
    Demokratie ist mir wichtig und dazu gehören auch tabulose Diskussionen. Jedes ideologische Korsett ist schlecht, die Gedanken müssen frei sein. Ob diese gut oder schlecht sind, wer will das objektiv beurteilen? Keiner.

    Ein kluger Mensch weiß, dass er nicht alles weiß.

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  6. Magdeburger

    Ersteinmal: Ein sehr schönes Bild. Ein freundliches Mädchen, welches die Farben Deutschlands trägt, und auch die des Heimatlandes Ihrer Eltern/Großeltern, und somit Ihre Herkunft nicht verleugnet. So eine Mitbürgerin, kann einem 100mal lieber sein, als ein Deutscher, der sein eigenes Volk hasst und bekämpft! Für mich ist dies ein schönes Bild der Freundschaft unserer beiden Völker.
    Danke für Ihre Kommentare, Heiko, in ihnen liegt viel Wahres.

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